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Abrechenbare Stunden im Friseursalon

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Abrechenbare Stunden sind die kritische Zahl unseres Unternehmens, denn wir leben von der Zeit, die wir an der Kasse abrechnen können. Deshalb stelle ich zur Diskussion, ob wir zukünftig keine Dienstleistungen mehr abrechnen, sondern nur noch Zeiteinheiten.

Die Angebote von Friseuren unterscheiden sich nur geringfügig. Einzig die Preise sind individuell, und die hängen natürlich von den individuellen Kosten ab. Ein vorausschauender und verantwortungsbewusster Unternehmer, der seinen Mitarbeitern den Mindestlohn oder darüber bezahlt kann keine niedrigen Preise haben. Die Öffentlichkeit wird ja immer wieder gerne mal mit einer minimalst verdienenden Vorzeigemitarbeiterin aus dem Friseurhandwerk geschockt, deshalb setze ich nach all der Berichterstattung voraus, dass die daraufhin regelmäßig empört schnappatmende Öffentlichkeit höhere Preise beim Friseur als gesellschaftlich korrekt einordnet. In einer Talkrunde im ZDF wurde auch der Ober-Rote Oskar Lafontaine nach seiner Rechnung beim Friseur befragt. Er gab sechzehn Euro an was mir nicht gerade als tragfähige Basis für einen sozialkassenverträglichen Besserverdienst erschien.

Ein Friseur schneidet Haare, er färbt sie, glättet, lockt und pflegt sie. So heißen auch die Dienstleistungen auf der Preisliste folgerichtig Haarschnitt, Pflege, Ansatzfarbe, Strähnen und so weiter. Was aber, wenn wir gar keine Dienstleistungen mehr angeben, sondern nur noch die Zeit verkaufen? Weil es eigentlich ganz und gar egal ist welche Dienstleistung wir in einer Stunde zelebrieren, weil wir eben den Zeitwert realisiert müssen. Intern müssen die Dienstleistungen in einem Handbuch beschrieben und der Wareneinsatz zugeordnet werden, damit jeder Mitarbeiter genau weiß, welchen Inhalt jede Dienstleistung hat und welchen Nutzen das für den Kunden hat. Aber nach außen muss das nicht notwendigerweise dargestellt werden. Unsere Angebote in Pakete zu binden macht in diesem Zusammenhang sehr viel mehr Sinn.

Beim Friseur sind die Dienstleistungsbezeichnungen ausschlaggebend für die Bewertung und Bezahlung, bei anderen Handwerksberufen wie Maler, Elektriker, Installateur oder Autowerkstatt zählt das Ergebnis: Die Wand leuchtet, das Licht geht an, das Wasser läuft ab und das Auto schnurrt wieder. Der Friseur dagegen macht seine Preisgestaltung für direkt vergleichbare Dienstleistungen die oft noch nicht einmal vernünftig kalkuliert sind. Wir werden nicht dafür bezahlt, dass das Haar glänzt, duftet, schwingt und fließt, bei uns geht es immer um den günstigsten Preis. Auf der Preisliste sollte konsequnterweise nur stehen: „Jede Stunde unserer Leistung kostet 60, 70 oder 80 Euro, die wir mit qualitativ hochwertigen Dienstleistungen füllen“. Oder so ähnlich…

Bei Gress Friseure Die Haarexperten sind wir bereits dazu übergegangen, unsere großen Farbdienstleistungen mit einem Stundensatz von 89 Euro zu bepreisen. Ausschlaggebend ist die ausgebuchte Zeit im Terminkalender und nicht die Dienstleistung, die in dieser Zeit erarbeitet wird. Ich höre immer wieder die Frage: „Was, wenn ich früher fertig bin als kalkuliert? Muss ich dann die gesparte Zeit zuürckzahlen?“ Warum fragt mich niemand: „Was passiert, wenn ich länger brauche? Muss ich das zusätzlich verrechnen?“ Im ersten Fall Nein, im weiten Ja. Fakt ist: Die geplante Zeit muss bezahlt werden, das ist die Zielsetzung. Im Grunde genommen hängt aber alles an der Ausbildung der Mitarbeiter. Sie müssen technisch versiert und schnell sein. Schneckentempo können wir nicht zulassen, weil das die Kunden in diesem Fall nicht akzeptieren. Technisches und zeitorientiertes Training muss die Zeitkalkulation unterstützen. Eine möglichst genaue Trefferquote beim Verkauf unserer Zeit ist das Ziel. Die interne Ausbildung mit ständigem Training mit begleitenden Prüfungen unterstützen das Ziel. Die Entschuldigung: “Sie ist zwar langsam, aber dafür sorgfältig“ kann ich nur so lange gelten lassen, bis das Training abgeschlossen ist und die Arbeit an Kunden beginnt. Ab dann ist die zeitliche Trefferquote Pflicht.

Der Fokus in der Ausbildung muss auf Qualität und Geschwindigkeit liegen, nur dann können wir unsere Zeit effektiv verkaufen. Wenn bei unseren Kunden der Eindruck entsteht, wir verzögen die Zeit, damit wir den Umsatz rechtfertigen ist das kontraproduktiv. Es ist deshalb nicht ratsam, das Zeitsystem einzusetzn, ohne die entsprechende Vorbereitung zu leisten. Bei immer größerem Wettbewerbsdruck werden sich viele Friseure preislich immer und immer weiter unterbieten. Wer da einsteigt ohne die kritische Größe zu haben hat von vorn herein verloren. Wir müssen Geld verdienen und unsere Mitarbeiter Geld verdienen lassen, um für Azubis und Fachkräfte überhaupt interessant zu sein. Die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich an der Kasse in der Summe der abgerechneten Stunden. Die Qualität der Arbeit, die Kundenbindung und die Wertschätzung der Mitarbeiter durch gute Führung und individuelle Förderung sind die Grundlagen für Wachstum, sie entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg eines Friseurunternehmens.

Das Fazit des heutigen Podcasts: Erstens brauchen wir eine bessere interne Ausbildung, weil wir nicht darauf warte können, dass das jemand für uns übernimmt. Denn das wird nicht geschehen. Zweitens müssen unsere Preise höher werden, kombiniert mit besserer fachlicher Leistung. Drittens müssen unternehmerisches Denken und die Kontrolle der Kennzahlen dafür sorgen, dass immer genügend Geld für Investitionen in Salon und Schulung vorhanden ist. Viertens und zu guter Letzt muss jeder Ausbildungsbetrieb die Zielgruppe seiner Azubis exakt definieren und diese strategisch angehen.

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1 comment
reiner Mrheis says 14. Oktober 2017

genau so ist es Eine Rechnung beim ZB. Maler 60€ die Std plus Materialkosten plus 19% ist gleich oder auch noch € für die Hilfe vom Azubi

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