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Das Lächeln stirbt nie

“Das Lächeln stirbt nie!”

Ein Seminar für neue Mitarbeiter im Salon

Wir haben mit “Das Lächeln stirbt nie!” ein Neueinsteiger-Seminar entwickelt, in dem wir unsere Vorstellung von Begrüßung und Empfang, Ablauf des Service und Verabschiedung definiert haben. Nach etlichen Jahren als Bewerbungs-Trainer in unserer Bildungspartner-Schule in Esslingen wurde mir bewusst, dass all die für uns wichtigen gesellschaftlich relevanten Verhaltensweisen, die wir von unseren Azubis verlangen, genau das ist, was auf dem Schulhof gar nicht angesagt ist. Höflichkeit, Freundlichkeit, Rücksicht im Umgang miteinander, Hilfsbereitschaft – all das sind Verhaltensweisen, die zwar bekannt, für junge Berufseinsteiger aber ungewohnt in der Anwendung sind.

Empfang
Der Empfang ist der ausschlaggebende Faktor dafür, ob sich eine Kundin im Salon willkommen fühlt. Deshalb muss der Ablauf perfekt sitzen. Dazu muss bspw. ein neuer Azubi gezeigt bekommen, wie wir den Ablauf haben wollen. Vom Handschlag, der Vorstellung mit Vor- und Zuname, dem Garderobenservice, dem Geleit zum Bedienungsplatz, der Abfrage nach Lesematerial und Getränken und der Vorlage eines Kunden-Erfassungsbogens bei Neukunden wird der gesamte Strang definiert und trainiert.

Service
Das einladende Ausdrehen des Stuhl, die freundliche Frage nach Getränken und Lesematerial, bzw. den Hinweis, wo Lesematerial zu finden ist, die Salon-Tour für Neukunden zur Orientierung, der Hinweis auf freie WLAN-Nutzung mit Ansage des Passwortes für den geschützten Bereich oder Freifunk für den offenes Zugang, der Hinweis auf Tageszeitungen, auf unsere Frisuren- und Haarfarben-Boards auf Pinterest und auf unseren Instagram-Account, sowie die Nutzung der hauseigenen iPads – all das muss demonstriert und trainiert werden.

Salon-Tour
Was im privaten Bereich gerne als “Schlossführung” tituliert wird, ist bei Gress Friseure die Salon-Tour für Neukunden. Wir zeigen wo die WCs sind, wo die Garderobe ist, die Produkte für Haut, Haare und Make-up, wir erklären, warum wir an Färbetischen ohne Spiegel arbeiten, wo die Tageszeitungen und Magazine zu finden sind und welche Services wir bieten.

Verabschiedung
Die Verabschiedung ist der letzte Eindruck, den Kunden von Gress Friseure mit nach Hause nehmen. Wenn wir unsere Kunden herzlich willkommen geheißen haben, unsere Services perfekt abgelaufen sind und die fachliche Arbeit exzellent umgesetzt wurde, dann rundet die Verabschiedung den professionellen Eindruck ab. Wenn der Ablauf im Salon an irgendeiner Stelle aus irgendwelchen Gründen holprig war und nicht unserem normalen Standard entsprochen hat, dann kann eine gute Verabschiedung einiges wieder ausgleichen. Die Verabschiedung beinhaltet die Begleitung zur Rezeption, den Bezahlvorgang, den Garderobenservice, die Begleitung zur Tür, sowie das Aufhalten derselben und ein abschließendes freundliches Wort auf den Weg.

Ich kann mich noch gut an meine ersten Tage in der Ausbildung erinnern. Der Spruch: “Das muss man doch wissen!” hat mich dauernd begleitet. Dabei hat mir niemand gesagt, was von mir verlangt wird, und niemand hat mich geschult, damit ich die Angst vor Fehlern verliere.

Fazit
Wenn wir wollen, dass die Kids etwas so tun, wie wir uns das vorstellen, dann müssen wir es ihnen sagen und sie trainieren, damit sie es beherrschen.

learntec ©behrendtundrausch klein

Lebenslanges Lernen

Der technologische Wandel schreitet in ungeahnter Geschwindigkeit voran. Das stellt jeden einzelnen von uns vor große Herausforderungen. Wir sind es gewohnt, ein paar Jahre in die Schule zu gehen und dort eine Dosis Wissen eingeimpft zu bekommen. In der Ausbildung steht Lernen noch einmal im Zentrum, aber es kommt der Zeitpunkt, da hat man ausgelernt. Was für ein schreckliches Wort. Ausgelernt! Wir verwenden das Wort immer noch, obwohl erwiesen ist, dass der Mensch lebenslang lernt, ob er will oder nicht.  Lebenslang lernen? Können wir lernen in unseren Gehirnen auch positiv abspeichern? Bringt es uns weiter, wenn wir unseren ganz individuellen Lerntyp kennen?

Ich bin für ein Bildungssystem, das lebenslanges Lernen fördert. Unsere Gesellschaft braucht mehr kreatives Denken, und Individuen sollen sich Zeit gönnen können, um überZiele nachdenken und sie in Angriff nehmen zu können.

Als ich aus der Schule gekommen bin war ich ein überzeugter Nichtlerner. Keiner hat mir erklärt, warum ich lernen soll und wie ich lernen soll. Ich sah keinen Sinn darin, also habe ich das Lernen eingestellt, beziehungsweise so weit reduziert, dass es grade so gereicht hat. Geändert habe ich meine Einstellung erst nach meiner Schulzeit, als ich Prof. Dr. Frederic Vesters Buch Denken, Lernen, Vergessen in die Finger bekommen habe. Von da an ging’s bergauf mit meinem Lernwillen. Ich habe Gedanken erfahren, die mir Türen aufgestossen haben. Plötzlich war nichts mehr unmöglich, alles konnte ich lernen, wenn ich das selber wollte, und es so lernen konnte wie mir das passte. Vesters Erkenntnisse sind mehr als 45 Jahre alt, und die Gehirnforschung hat seither Quantensprünge gemacht, trotzdem sind seine Gedanken auch heute noch faszinierend.

Ein von mir sehr bewunderter Kritiker am bestehenden Schulsystem, Dr. Gerald Hüther, ist einer der führenden Vordenker für ein alternatives Schulsystem, in dem nicht nur Zeit totgeschlagen wird mit dem eintrichtern nutzlosen Lernstoffs, sondern Chancen für eine effektive Wissensvermittlung ergriffen werden. Hier sein Statement zur Umgestaltung von Schule.

Hüther stellt heraus, dass alle großen Umwälzungen von unten gekommen sind und das in Zukunft  auch weiterhin so sein wird. Wenn ich diese Aussage auf unseren Friseurberuf anwende, dann müssen wir noch viel, viel, viel mehr Druck ausüben, damit sich Verband und Politik endlich bewegen und uns die Möglichkeit geben, das Handwerk wieder auf die Sonnenseite zu führen.

Erfolgreich mit YouTube Vlogs

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1974 schrieb der Musikkritiker John Landau: „Ich habe die Zukunft des Rock’n’Roll gesehen, und ihr Name ist Bruce Springsteen.“ So weit will ich mit meiner Aussage zu YouTube Stars wie Nilam Daaruum, Anna Karenina, Ebrus Beautylounge, Funnypilgrim oder Julia Graf nicht gehen. Auch den Namen Shirin David hörte ich zum ersten Mal vor ein paar Tagen in einem Vortrag beim Unternehmerfreitag des SchmidtColleg in Neu-Ulm.

Shirin Davids Zuschauerzahlen sind beeindruckend: Shirin beim Friseur 1.3 Mio Aufrufe, Shirin zeigt ihre Wohnung 3,4 Mio Aufrufe, Parodie Deutsche vs. Ausländerinnen 6 Mio Aufrufe. Mir war sofort klar, warum TV, Facebook und Printmedien junge Menschen nicht mehr erreichen. Alles dröge, altbacken, uncool.
Im Salon habe ich meine jungen Mitarbeiterinnen nach Shirin David gefragt. War ja klar, alle kennen sie. Und nicht nur sie: Bibis Beauty Palace, DagiBee, Paola Maria oder Katja Krasavice – alle haben Hunderttausende bis mehrere Millionen Aufrufe. Tutorial und Schmink-Tipp machen die Mädchen von nebenan zu Stars. Die Wucht hinter diesem Medium ist enorm. Ob mir das persönlich gefällt ist gar nicht die Frage, der Wurm muss dem Fisch schmecken und das tut er millionenfach. Die amerikanische Vloggerin Michelle Phan hat’s vorgemacht, ihren Vlog gibt es bereits seit 2006.

Das Beispiel Shiirn beim Friseur. Gut gemacht, professionell gefilmt, sauberer Sound, das geht nicht viel besser. Knapp 1,3 Millionen Aufrufe sind ein Wort. Diego, der Friseur, wird hier ganz klar in den Mittelpunkt gestellt. Er verkauft sich gut, wirkt kompetent, arbeitet sauber und man braucht nicht viel Phantasie um zu begreifen, dass der Junge dadurch einen Wahnsinnsnutzen hat.

Unsere Auszubildende Alessandra Palmieri ist übers Wochenende in Berlin auf der Glow The Beauty Connection. Hier treffen sich viele YouTub Vlogger und ihre Fans in einer Art Beauty Wonderland. Schrill, bunt, schnell und erfrischend anders als unsere Fachmessen. Wir sind schon total gespannt auf die Eindrücke und Berichte.

Schaut euch hier an wie es dort zugeht:

Lasst euch von den Vloggs inspirieren. Ihr werdet überrascht sein, das kann ich euch versprechen. Ob ihr, ich, wir das alles gut finden was da abläuft lasse ich unkommentiert. Klar ist, wir werden das Medium YouTube zukünftig nicht umgehen können. Hier erfahren wir wie die Kids von heute ticken, und nicht aus schlauen Vorträgen und Abhandlungen.

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