Digitale Geldwirtschaft – Die Freiheit die wir meinen?

euro cash withdrawal from an ATM of the airport
euro cash withdrawal from an ATM of the airport

Das Ende des traditionellen Bankgewerbes ist angekündigt. Die FinTec Branche attackiert mit disruptiven Innovationen. Tägliche Transaktionen am POS werden immer mehr digital getätigt was mein Leben ungemein erleichtert. Ich bin dafür!

Immer lauter wird in diesem Zuge die Abschaffung des Bargeldes gefordert. Ich bin dagegen! Ich brauche zum Einen eine Wahlmöglichkeit und zum Anderen eine staatlich garantierte Währungssicherheit in Form physisch greifbarer Banknoten und Münzen.

Bargeld ist in den Augen der Finanzer teuer und ineffizient. Mag sein. Aber den Zustand der Alternativlosigkeit lehne ich für mein generell Leben vehement ab. Ich werde heute schon durchleuchtet, überwacht, getrackt. Die Daten stelle ich freiwillig zur Verfügung, weil ich Smartphone, Navi, Kreditkarte verwende und weil mir das einen persönlichen Nutzen bringt.

Aber: eine Wahl zu haben bedeutet Freiheit, und was kann über der Freiheit stehen?

Wo liegt das Problem mit dem digitalen Geld?

Über 80 Prozent der Geldmenge in der Eurozone ist Giral- oder Buchgeld. Dieses Geld existiert nicht wirklich, es ist elektronisch erzeugt, hat aber denselben Wert wie Banknoten. Diese Geld der Notenbanken macht heute nur noch um die 20 Prozent des gesamten Geldes in der EU aus. Wenn die Bank einen Kredit vergibt entsteht Giralgeld das die Bank über eine Rücklage von lediglich 3% des neu geschaffenen Geldes absichern muss (1% Mindestreserve, 1,4% Bargeldreserve, 0,1-0,6% für die Überschussreserve). Die Bank transferiert das Buchgeld auf ein Konto, es beginnt zu zirkulieren, und wenn der Kredit zurückbezahlt ist verschwindet das Geld wieder. Es war nur ein Buchungsvorgang in den Büchern der Bank.

De facto ist es also schon heute so, dass wir so gut wie kein Bargeld mehr haben. Man stelle sich aber weiterhin vor, dass dieser geringe Gegenwert von 20% Bargeld in Form von Noten und Münzen ganz wegfällt. Geld könnte von jeder Bank per Knopfdruck produziert und vernichtet werden. Ein staatlicher Einfluss über den Geldverkehr ist ohne Banknoten und Münzen nicht mehr vorhanden, die Kontrolle über die Bürger durch privatwirtschaftlich agierende Geldproduzenten wäre vollkommen. Wer soll das wollen?

Hatte jemand im ausschließlich von Bargeld bestimmten Wirtschaftsleben einen Kauf getätigt musste er die Rechnung mit real existierendem Geld bezahlen. Wenn sich heute eine Bank eine Immobilie kauft braucht sie nicht einmal mehr selber einen Kredit aufzunehmen. Sie bucht einfach den Betrag elektronisch als Sichteinlage auf das Konto des Verkäufers. Bedingt durch das System kann die Bank relativ sicher sein, dass die Sichteinlage – für die sie haftet und diese auf Wunsch des Kontoinhabers in Bar ausbezahlen muss – nicht abgehoben wird, sondern als Buchgeld auf dem Konto bleibt. Da auch Geldanlagen und Investitionen mit Buchgeld getätigt werden macht eine Barabhebung über den persönlichen Bedarf hinaus überhaupt keinen Sinn mehr.

Ich bin kein übertriebener Skeptiker, aber ich vertraue privatwirtschaftlich agierenden Bankkonzernen nicht, und ich will auch nicht mein persönliche Wohl oder Wehe in den Händen von Banken sehen. In unserem Wirtschaftssystem werden Konzerne immer mit alle Möglichkeiten versuchen, das Machbare bis zur Schmerzgrenze auszureizen, und wenn das nicht mehr genügend Gewinn verspricht darf es gerne auch darüber hinaus gehen. Die ethischen und moaralischen Grennzen dieses wirtschaftichen Tuns in gesellschaftlichen Diskursen auszuloten wird dann obsolet, weil es nichts mehr an der Situation ändert.

Sei es noch so ineffektiv und teuer zu handhaben – ich liebe Bargeld!

Bildung im Handwerk braucht ein Umdenken

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Kunst Handwerk. Die großen Maler der Geschichte haben bewiesenermassen nicht alle ihre Bilder selber gemalt. In den Malerwerkstätten waren Maler angestellt, wie es eben in einem Handwerksbetrieb üblich war und immer noch üblich ist. Der eine Maler konnte gut Hände malen, ein anderer war perspektivisch gut drauf und wieder andere haben tolle Gesichter gemalt. Kunst war Handwerk und daher kommt auch der Wortstamm – Kunst = können = Kenntnis, Wissen, Meisterschaft. Dazu ein Auszug aus dem Text: Geheimnisse der Maler – Köln im Mittelalter: >…hinter einem solchen Titel können sich auch mehrere Personen einer Werkstatt verbergen. So wiesen die Forscher in zahlreichen Gemälden die Arbeit von mehreren Händen nach. Teils wurde dabei sogar mit Schablonen gearbeitet, um effizienter sein zu können und in Bilderserien eine bessere Wiedererkennbarkeit der dargestellten Personen zu gewährleisten<. Arbeiten wir im Friseurberuf nicht ähnlich? Wir beschäftigen Haarschneider, Coloristen, Visagisten und Styler, jedes Feld ein Spezialgebiet mit hohem handwerklichen und künstlerischen Anspruch. Und alle Bereiche dienen dazu, Menschen schöner zu machen und durch Handwerk Kunst am Kopf entstehen zu lassen. Auch im Friseurberuf ist der Erkennungswert der Arbeit hoch, aber eben schnell vergänglich. Es gibt keine Effizienz steigernden Maßnahmen durch Maschinen, nur durch aufspalten der Produktionsabläufe können wir unsere Zeit optimieren. Hätten wir kein Preislimit für unsere Leistung bräuchten wir diese Optimierung nicht. Das wären schöne Zustände, nicht wahr? Soll, wer Visionen hat, zum Arzt gehen?
Der Begriff Kunst hat heute eher mit Selbstverwirklichung, Vision, Kreativität und Freigeistigkeit zu tun. Sie wird im umgangssprachlichen Gebrauch nicht automatisch mit Handwerk gleichgesetzt, hat aber genau dort ihren Ursprung. Friseure sind Handwerker, Künstler, Visionäre und Freigeister und viele sind fähige Unternehmer, die das Bild des Friseurberufes in Deutschland zum Positiven wenden. Die wichtigste Frage die wir zukünftig lösen müssen ist die Stärkung der intellektuellen Fähigkeiten der Friseur-Nachwuchses. Der überwiegend weibliche Nachwuchs, der früher gerne Barbie-Püppchen gestylt, der großen Puppen mal die Haare geschnitten und dabei festgestellt hat, Friseur wäre doch ein durchaus tauglicher Beruf, der darf gerne zuhause bleiben. Das sind keine Indikatoren für fähigen Nachwuchs. Wir brauchen selbstbewusste, visionäre junge Menschen, für die Leistung kein Fremdwort ist und denen die gewerkschaftlich vorgeschriebene Arbeitszeit links hinten vorbei geht. Denjenigen jungen Menschen, denen die Arbeitszeit von 9 bis 18 Uhr für ihr Können ausreicht, geht irgendwann die Leistung aus, sie werden die Zuträger sein. Diejenigen, die ihre Grenzen erfahren wollen und nach Wissen und Können über den Rahmen hinaus lechzen, werden zu Motivatoren und Moderatoren der Zukunft. Diese jungen Menschen müssen wir gezielt suchen, dafür brauchen wir verbindliche Anforderungsprofile. Vor allem dürfen wir es nicht mehr zulassen, dass jungen Menschen als Putzamseln und lebendige Waschmaschinen missbraucht werden. Klar, das gehört dazu, aber darin besteht nicht der Sinn einer Ausbildung. Und wenn ich das Argument höre: „Ich ziehe mir doch meine Konkurrenz nicht selber her“, dann frage ich mich, ob die oder der ihr Business überhaupt begriffen haben.

Die Schule als Hafen des kreativen Müßiggangs?
Schule leitet vom lateinischen schola ab, und schola bedeutet im Ursprung “freie Zeit”, “Müßiggang”, “Nichtstun”, “Muße”. Die Schule war in früherer Zeit nur wohlhabenden Bürgern, etwa der ägyptischen und griechischen Gesellschaft zugängig. In Europa war die schulische Ausbildung und das Studium in der Hand der Kirche. Bildung war für die Kirche ein wichtiger Baustein zum Machterhalt, sie war eine exklusive Ware, die den Zugang zu begehrten Posten, Macht und Wohlstand ermöglichte. Bezahlt wurde dafür mit Kadavergehorsam, im wahrsten Sinne des Wortes. Immerhin hatte Schule dieselbe Intention wie heute, nur dass sie heute für alle Kinder verpflichtend ist. Kreativität hat viel mit Spiel und Freigeistigkeit zu tun, ich bezweifle aber stark, dass die Schule diesen Zweck erfüllt. Viele Spielelemente finden sich beispielsweise bei Design Thinking, bei der die gestalterische Kraft von Menschen durch den Bau eines fassbaren Prototypen kanalisiert wird. Kreativität braucht immer ein Ziel. Kreativität um der Kreativität willen führt in eine Sackgasse. Also müssen wir die zielgerichtete Kreativität zurück in unsere Unternehmen holen.

Bessere Mitarbeiter
Wir reklamieren ständig, dass wir nicht die richtigen Auszubildenden und nicht die richtigen Fachkräfte finden. Da aber keine anderen da sind, müssen wir eben die nehmen die es gibt. Sollten wir unsere Ausbildung nicht überdenken wenn wir so unzufrieden sind mit den Menschen die wir bei uns arbeiten lassen müssen? Was wäre, wenn wir nicht mehr nach den gültigen Vorbild ausbilden, die uns die Schule vorgibt? Wenn wir beispielsweise die Kreativität über einen alternativen Werkkreis wieder in die Ausbildung zurück holen? Wenn wir Lernen wieder erfahrbarer machen? Wenn wir den jungen Menschen Zeit geben, sich ihr Wissen und Können über den natürlichen Spieltrieb zu holen? Wir können die Verantwortung natürlich wieder und wieder auf die Schule schieben. Aber ich bin es Leid bis zum Stehkragen, mich ständig über das Negative der Situation auszutauschen. Konstruktive Gespräche wären ergiebiger und interessanter.

Dringend gegen wichtig
In vielen großen Unternehmen sind Sabbaticals, Rückzugsräume, Kreativräume schon lange Realität, weil die Unternehmen erkannt haben, dass Menschen denkerischen und spielerischen Freiraum brauchen. Ich stelle für mich fest, dass die freigeistigen Auszeiten zu mehr Kreativität und neuen Zielen führen. Wann gönnt man sich denn schon einmal die Zeit, einfach irgendwohin zu sitzen und in die Welt hinein zu schauen, ohne Mobiltelefon, iPad und andere Segnungen des modernen Lebens? Tut man das, dann sortieren sich die Gedanken, und manche Problemlösung findet sich ganz von alleine. Manchmal liegen die nächsten Schritte so offenkundig auf der Hand, dass ich mich wundere, warum ich darauf nicht schon früher gekommen bin. Oft sieht man die Lösungen nicht, weil man Tag für Tag permanent mit Informationen zugeschüttet wird und dadurch in einen seltsam fremdgesteuerten Handlungszugzwang kommt. Zuerst das Wichtige, dann das Dringende! Dringend ist immer, aber wichtig…?

Burn up the day, burn up the night (I’m not the one to tell you what’s wrong or what’s right, I’ve seen suns that were freezing and lives that were through )…

Jede Führungskraft weiß, dass sie ihre Mitarbeiter nicht verbrennen darf. Was für die Mitarbeiter gilt, gilt für Führungskräfte genauso. Sie dürfen nicht an beiden Seiten brennen, auch sie müssen ihre Kräfte einteilen. Selber mehr zu arbeiten, um die Versäumnisse in der Führungsarbeit auszugleichen, ist der falsche Weg. Zeit zu schaffen, um zu führen ist dagegen die richtige Wahl. Dazu gehört Zeit zur Reflexion, Musse zum Ausgleich und der unbedingte Wille zur Delegation von Aufgaben.

Glück kennt keine Unterschiede

Was ist Glück? Das ist eine wirklich gute Frage! Es ist das alltägliche kleine Glück, das uns durch den Tag hilft, das uns aufrecht hält und das uns die emotionale Sicherheit gibt, ohne die ein glückliches Leben unmöglich wäre. Dagegen ist die Beseitigung des Welthungers keine gute Wahl als Glücksquelle. Keiner von uns wird eine Lösung für dieses globale Problem finden, weshalb man sein persönliches Glück nicht davon abhängig machen kann.

Das persönliche Glück
Geglücktes Leben kann sein, auf dem Sterbebett sagen zu können: “Ich habe mein Leben für mich gelebt, und nicht für die anderen.” Viele Menschen sind unglücklich, weil sie es nicht schaffen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, ihr Leben selbstbestimmt und nach eigenem Entwurf zu leben. Es ist immer jemand oder etwas da, der oder das einen an der Erfüllung seines persönlichen Glücks hindert.

Identität schaffen
Wenn ich auf meinem Weg nicht mehr weiterkomme muss ich mir drei Fragen stellen: 1.) Wo setze ich bei einer Veränderung an?; 2.) Was taugt mein Netzwerk; 3.) Habe ich überhaupt den Mut zu dieser Veränderung? Wer sich bewusst dafür entscheidet, sein Leben zu lassen wie es ist entscheidet akzeptabel. Dann aber bitte auch keine Lamenti darüber.

Persönliches Glück gestalten
Glück ist für alle Menschen gleich und wird doch sehr unterschiedlich empfunden. Wenn ich die Möglichkeit hätte, per Verbindung mit einer Maschine einen dauerhaften Glückszustand zu erreichen würde ich das sicher ablehnen. Ich möchte nicht einfach irgendwie, sondern der richtigen Dinge wegen glücklich sein, auch wenn ich dieses Glück notfalls erkämpfen muss. Welche Hautfarbe Menschen haben, in welchen sozialen Strukturen sie leben, wo sie leben, wie sie leben, was sie essen und trinken, ob sie gesund oder behindert sind und ob die individuellen Glücke dem entsprechen, was wir in unserer Gesellschaft unter Glück verstehen, spielt überhaupt keine Rolle. Ein behinderter Mensch empfindet bei denselben Tätigkeiten Glück wie ein gesunder Mensch.

Was hat das tägliche Glück mir Führung zu tun? Ich könnte alle möglichen Gründe anführen, will aber mit meiner kleinen Schrift lediglich darauf hinweisen, dass Glück zu einem gelungenen Leben gehört. Je mehr wir uns mit unseren persönlichen Glücken identifizieren, desto mehr ruhen wir in uns. Und wer würde besser führen als ein in sich ruhender Mensch mit klaren Werten und Zielen?