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Die neue Friseur-BWA

Heute geht es bei „Friseurbetriebe erfolgreich führen mit Kennzahlen“ von und mit Peter Gress um die spezielle Friseur-BWA, eine Gemeinschaftsentwicklung von Steuerberater Björn Malig und Peter Gress.

Die eine ultimative BWA gibt es nicht. Nur in den seltensten Fällen passen BWA und Buchhaltung zusammen, und es kommt meist keine sinnvolle Aufstellung der in der Buchhaltung gebuchten Zahlen heraus. Damit eine sinnvolle Verwendung der BWA garantiert ist müssen Sie im ersten Schritt die Form der BWA wählen, die wir hier als Friseur-BWA vordefiniert haben. Dann muss die Buchhaltung speziell für die BWA-Zwecke angepasst werden und nicht zuletzt müssen Sie lernen, die BWA richtig zu lesen und zu interpretieren. Lassen Se sich davon aber nicht abschrecken, das ist wesentlich einfacher als Sie denken.

BWA ist Steuerungsinstrument

Oft ist es des Unternehmers lästige Pflicht, die BWA bei der Bank vorlegen zu müssen. Meist ist das auch das einzige Mal, in dem mancher Unternehmer die BWA überhaupt wahrnimmt. Dabei ist sie ein unschlagbares Instrument für den schnellen Überblick über den finanziellen Stand des Unternehmens. In diesem Podcast geht es nun ganz explizit um einen kleinen Teil der BWA, der so genannten Kurzfristigen Erfolgsrechnung mit den Monatsauswertungen und den aufgelaufenen Zahlen des Geschäftsjahres. Sie ist mein wichtigstes Steuerungsinstrument, für mich sind es die zwei wichtigsten Seiten der monatlichen Auswertung. Warum ist das so? Ich brauche die Konzentration auf das Wesentliche, auf Übersichtlichkeit und daraus resultierende schnelle Information.

Erlöskonten

Ganz oben stehen in der BWA stehen die Umsatzerlöse. Die haben wir in Dienstleistungen und Verkauf getrennt, damit die beiden Umsatzbereiche übers Jahr miteinander verglichen werden können. Bei den Dienstleistungen haben wir für unser Unternehmen die wichtigsten Erlösbreiche definiert und aufgelistet:

1. Calligraphy-Cut
2. Haarschnitt
3. Haarfarbe
4. Kosmetik
5. Haarverlängerung/Haarverdichtung
6. Zweithaar

Aus diesen sechs Bereichen ergibt sich der Gesamterlös der Friseur-Dienstleistungen, die wir „Summe Dienstleistungen Kabinett“ nennen.

Der zweite Erlösbereich ist der Verkauf. Der Verkauf ist wie folgt definiert

  • Verkauf Friseurartikel – also alle Haar- und Hautprodukte unseres Lieferanten
  • Verkauf Handelsware – das sind Föne, Bürsten, Invisibobbles, Detangler und anderes

Daraus ergibt sich die „Summe Verkauf“.

Aus „Summe Kabinett-Dienstleistungen“ und „Summe Verkauf“ ergeben sich der Gesamtumsatz oder die Gesamtleistung.

Kostenkonten

Von dieser Gesamtleistung werden nun im ersten Schritt die variablen Kosten abgezogen. Der größte Teil der variablen Kosten ist der Wareneinkauf, aber auch Provisionen und Lieferkosten werden dort verbucht, denn Sie sind nicht jeden Monat gleich hoch. Die Höhe des Wareneinkaufs richtet sich nach dem Umsatz bei Dienstleistung und Verkauf, denn die können in manchen Monaten besser und in anderen Monaten auch mal schlechter sein.

Wir stellen den sechs oben genannten Erlöskonten gleich lautende Kostenkonten gegenüber. Welchen Sinn hat das? Hinter jedem Erlös stehen Kosten, die zwar mal höher und mal niedriger, aber immer vorhanden sind. Und ich will ja wissen, wie produktiv und gewinnbringend meine einzelnen Dienstleistungsbereiche sind. Das kann ich nur dann sehen, wenn ich Erlöse und Kosten gegenüberstelle, denn nicht die schiere Umsatzhöhe ist wichtig, sondern das, was als Gewinn aus der Dienstleistung nach Abzug der Kosten übrig bleibt.

Separate Konten für Kabinett und Heimverkauf

Bei den Friseurartikeln buchen wir den Einkauf für das Kabinett und den Heimverkauf auf separate Konten. Das hat folgenden Hintergrund:

Ich nehme mal den Farbbereich als Beispiel heraus, denn hier geht das meiste Geld verloren. Wenn ich eine Haarfarbe verkaufe brauche ich Rohstoff, und der kostet Geld: Haarfarbe, Entwickler, Pigmente, Shampoo, Pflege, um nur mal die wichtigsten zu nennen. Mit diesem Rohstoff erwirtschafte ich Umsatz, der nach Abzug der Kosten zum Gewinn der Dienstleistung führt. Nun möchte ich gerne wissen, wieviel Produkte (Euro und Prozent) ich denn im Kabinett verbrauche. Der Kabinettverbrauch darf bei uns nicht mehr ans sechs Prozent vom Gesamtumsatz betragen. Diese sechs Prozent Kabinettverbrauch ist eine ganz klar definierte Kennzahl meines Kennzahlensystems. Das setzt voraus, dass ich die eingekaufte Ware fürs Kabinett kennen muss, weil sonst die Kennzahlenkontrolle nicht möglich ist.

Vorteil fürs Finanzamt

Die Trennung von Kabinettware und Verkaufsware ist darüber hinaus für die Erklärung gegenüber dem Finanzamt sehr wichtig. Wenn der Prüfer nicht logisch nachvollziehen kann, wie die Einkäufe eingeordnet sind, droht Ihnen eventuelle eine Verwerfung der Buchhaltung und eine Umsatzschätzung, und das geht meist nicht gut aus für das Unternehmen.

Fixe Kosten

Nun, da alle variablen Kosten abgezogen sind bleibt der betriebliche Rohertrag übrig. Von dem werden im nächsten Schritt alle fixen Kosten abgezogen. In den fixen Kosten stecken:

  • Produktive Löhne
  • Unproduktive Löhne
  • Mieten
  • Abschreibungen und alle weiteren Kosten, die für den Betrieb Ihres Unternehmens anfallen

Nach Abzug der fixen Kosten bleibt dem Unternehmen das Betriebsergebnis. Abschließend werden noch Zinsaufwände, Zinserträge, neutrale Erträge und neutrale Kosten aufgeführt und am Ende steht das Ergebnis vor Steuern oder auch Vorläufiges Ergebnis genannt.

Chefzahlen

Ans Ende der Kurzfristigen Erfolgsrechnung haben wir die Chefzahlen gepackt. Die wichtigsten Kosten-Kennzahlen im Kennzahlensystem sind dort erfasst und prozentuell in Bezug zum Netto-Gesamtumsatz gesetzt. :

  • Kabinettverbrauch
  • Produktive Löhne
  • Verwaltungslöhne
  • Miete
  • Marketing
  • Verkaufsware

Somit erkenne ich auf einen Blick, ob meine wichtigsten Kennzahlen innerhalb der definierten Obergrenzen liegen. Im Grunde genommen reicht der Blick auf diese Kennzahlen, damit ich weiß, ob Handlungsbedarf besteht. Die Übersicht über Liquidität, Finanzmittel, Privatentnahmen, Privateinlagen und die Abschreibungen runden die Chefzahlen ab.

Wie das Kennzahlenssystem aufgebaut ist, wie die Zahlen zustande kommen und was Sie dafür tun müssen ist Inhalt meines Seminars „Friseurbetriebe erfolgreich führen mit Kennzahlen“ am 17.9.2017 in Esslingen. Anmelden können Sie sich unter www.friseur-kennzahlen.de. Ich freue mich, wenn wir uns beim Seminar persönlich kennenlernen.

Bis dahin wünsche ich Ihnen noch einen schönen Sommer. Bleiben Sie gesund und bleiben Sie erfolgreich.

Ihr Peter Gress.

 

 

 

 

 

 

 

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3 comments
Tim says 31. März 2018

Hallo Herr Gress,

Sie sprechen von einer Unterteilung der Gesamtkosten in fixe und variable Kosten. Sie betrachten dort nur den Wareneinkauf als variabel. In meinen Augen sind die Kosten für Werbung, Ausgangsfrachten und Reisekosten AN ebenfalls variabel und nicht fix. Ich freue mich auf Ihre Erläuterung.

Mfg

Reply
    petergress says 4. April 2018

    Hallo Tim,

    da haben Sie vollkommen Recht. Provisionen in Verkauf und Dienstleistung, Mietnebenkosten, AdWords, Lieferkosten, Fortbildung, Reisekosten und einiges mehr sind variabel. Der wichtigste Teil der variablen Kosten aber ist der Wareneinkauf, weil der maßgeblich den Rohertrag beeinflusst. Im Detail, sprich der Kostenartenkontrolle, koppeln wir die weiteren variablen Kosten von den fixen Kosten ab. Wir führen ein Konto für Netto-Miete und ein Konto für die Mietnebenkosten, ein Konto für die fixen Werbekosten (monatliche Kosten wie fest vereinbarte Agenturhonorare, Pauschalhonorare, iStock-Pauschalen u.ä), und die variablen Werbekosten wie spontane Webseitenveränderung oder -neu- und umgestaltung, CPV, CPC usw. Diese Beträge gehören zu den Kostenarten, werden in der BWA separat erfasst und vom Rohertrag abgezogen, um das Betriebsergebnis zu ermitteln. Ich werde meinen Steuerberater bitten, hierzu an dieser Stelle noch ein Statement abzugeben.

    Reply
petergress says 7. April 2018

Hallo zusammen,

variable Kosten (auch veränderliche, bewegliche oder mengenabhängige Kosten) stehen in Abhängigkeit zur erbrachten Dienstleistung. Die Frage die man sich dann also stellen muss ist, welche Kosten ändern sich direkt durch mehr oder weniger erbrachte Dienstleistungen. Beispiele sind: Roh,- Hilfs- und Betriebsstoffe und Lohnkosten.

Ausgangsfrachten kann man ebenfalls in die variablen Kosten miteinbeziehen, aber beim Friseurbetrieb sollten diese Kosten eher niedrig sein. Außer der Friseur verkauft viele Produkte außer Haus.
Werbekosten oder Reisekosten gehören klassisch gesehen nicht zu den variablen Kosten. Werbekosten hat der Unternehmer unabhängig von den erbrachten Dienstleistungen oder verkauften Produkten. Auch Reisekosten der Arbeitnehmer können nicht direkt den Absatzleistungen zugeordnet werden.

Hier habe ich noch einen schönen Link https://de.wikipedia.org/wiki/Variable_Kosten bei dem es sehr schön erklärt ist.

Mit freundlichen Grüßen
Björn Malig

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