Kommunikationskultur ist Teamsache - Peter Gress

Kommunikationskultur ist Teamsache

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Ein Mitarbeiter kann fachlich exzellent sein, aber wenn er sich innerlich vom Unternehmen verabschiedet hat ergibt eine Weiterbeschäftigung keinen Sinn mehr. Manchmal verschwimmt die Grenze zwischen Geschäftsziel und Mitarbeiterziel, es entsteht ein Parallelunternehmen mit entgegengesetzter Wirkung. Wenn die Führung das zu spät bemerkt gärt es im Team und der Druck macht sich irgendwann Platz.

Individualisten sind unsere beste Investition
Jedes Teammitglied soll seine Persönlichkeit ausleben können, solange es innerhalb der Leitplanken der Betriebsregeln geschieht. Das Gerüst für die Betriebsordnung kommt von uns, viele Punkte von den Mitarbeitern. Die Betriebsregeln werden ständig angepasst, das ist ein wichtiger Faktor meiner Führungsaufgabe. Vor 13 Jahren hatten wir beispielsweise noch eine Bedeckungspflicht für großflächge Tattoos, heute sind diese gesellschaftlich akzeptiert, womit es gibt keinen Grund mehr für diesen Passus gibt. Dafür hat das Team nach den aktuellen Kommunikationsproblemen einstimmig neue Regeln für die Zusammenarbeit und den Umgang untereinander beschlossen. Ich sehe unser Unternehmen nicht als Erziehungsanstalt, aber Betriebsregeln sind notwendig, um das Zusammenleben und -arbeiten während der Arbeitszeit zu steuern. Es muss klar sein, wie sich jeder zu verhalten hat damit das Team funktioniert.

Standpunkt differenzieren
Wenn Streit eskaliert zieht jede Partei an einem Ende des Stricks. Jeder will seinen Standpunkt klar machen und verstanden werden. Aber wenn ein Streit schon lange schwelt gibt es keinen fassbaren Auslöser mehr, zu viele haben sich schon eingemischt und ihren Senf dazu abgegeben, woraus wieder neuer Ärger entsteht. Ich sehe das ziemlich pragmatisch. Wenn ich den Grund einer Eskalation nicht mehr klar nachvollziehen kann interessiert er mich nicht. Priorität hat die Lösung des aktuellen Problems, und das schnell und effektiv. Da bleibt keine Energie mehr für die Analyse diffuser Auslöser. Ich finde es unerträglich, wenn Menschen sich ohne Unterlass darüber Gedanken machen warum etwas gekommen ist wie es eben kam. Wenn der Vulkan eruptiert hat sind aufwändige Recherchen und basisdemokratische Diskussionen fehl am Platz. Dann ist es zu spät. Dann muss ich handeln. Verhindern können wir einen Ausbruch nur dann, wenn Mitarbeiter Kommunikation lernen und sich an Regeln halten wie es beispielsweise die gewaltfreie Kommunikation vorschlägt.

Kommunikationsrahmen
Die Mitarbeiter haben ihren Kommunikationsrahmen selber aufgestellt. Alle Punkte habe ich noch während des Meetings in eine Liste gefasst und alle haben sich durch ihre Unterschrift commitet. Die Betriebsregeln wurden durch die Liste erweitert und wieder auf unsere Webseite gestellt. Ziel der Kommunikationsregeln ist die Vorbeugung. Mitarbeiter werden durch die Regeln und zusätzliche Schulung sensibilisiert, so früh wie möglich selber einzugreifen wenn sich eine Eskalation anbahnt. Zusätzlich hat das Team eine Streitschlichterin aus dem Führungsteam gewählt, die dann eintritt wenn die Mitarbeiter mit der bestehenden Situation überfordert sind.

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