Krebs, Chemo, Perücke – wie gehen wir Friseure damit um?

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Ist mein Leben als attraktiver Mensch mit dem Ausfall meiner Haare zu Ende? Diese Frage stellen sich Frauen und Männer die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen. Haben wir Friseure intensiv darüber genug darüber nachgedacht was der Besuch eines Perückenstudios für Menschen mit drohendem Haarausfall bedeutet? Haben wir uns ausführliche Gedanken dazu gemacht, welche Bedürfnisse Menschen mit einer Krebserkrankung an die Perückenberatung haben? Diese Fragen müssen wir lösen, damit wir gute Berater für Menschen mit Haarverlust sein können.

Die Krebs-Statistik des Robert-Koch-Instituts weist für das Jahr 2012 knapp 478.000 Erkrankungen aus. Für das Jahr 2016 erwarten Wissenschaftler einen Anstieg um etwas mehr als 20.000 Fälle auf 498.700 betroffene Menschen. Die steigende Lebenserwartung ist mitverantwortlich für den Anstieg der Krebsfälle. Nahezu alle Krebsarten treten sehr viel häufiger bei älteren Menschen auf. Ein über 80-jähriger Mensch hat ein 200 bis 300 mal größeres Risiko an Krebs zu erkranken als ein unter 15-jähriger. Die medizinische Versorgung hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar wesentlich verbessert, den kontinuierliche Anstieg an Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Alter kann sie aber nicht verhindern. In den kommenden Jahren wird die Silver Society stetig wachsen und die Lebenserwartung höher werden. Demzufolge werden auch die Krankheitsfälle weiter steigen.

Susanne Gress kümmert sich bei Gress Friseure seit sechs Jahren um Menschen mit Haarausfall. Sie versorgt Chemo-Patienten und Menschen mit Alopecie mit Haarersatz. Bedingt durch die wachsende Anzahl von Betroffenen haben wir im zweiten Stock über dem Salon einen Beratungsraum eingerichtet, in dem die Anonymität gesichert ist und sie ganzheitlich auf ihre Kundinnen eingehen kann. Unsere Treibfeder für die ganzheitliche Beratung waren Krebsfälle bei langjährigen Kunden. Jahrzehntelang haben wir diese Menschen mit unserem Service und unserer Arbeit betreut, und in einer psychisch schweren Zeit mussten wir sie hängen lassen, weil wir keine Zweithaar-Dienstleistung im Angebot hatten.

In Anbetracht an die immer stärker steigende Zahl von älteren Menschen über 65 Jahre – Deutschland ist nach Japan die Gesellschaft mit den meisten Alten – macht es definitiv Sinn, sich mehr Gedanken um die Bedürfnisse der Silver Society zu machen. Die höhere Anfälligkeit für Krankheiten wie Krebs fordert uns Friseure nicht nur fachtechnisch heraus, wir müssen auch in unsere menschliche Befähigung investieren. Spezialisten im Zweithaarbereich sind in vielfacher Hinsicht zur Weiterbildung herausgefordert: Psychologie, Produktberatung, Produktkenntnis und Lebenshilfe. Chronologisch zu altern muss nicht automatisch in Krankheit enden, jedoch steigt die Anfälligkeit für Krankheiten wie Krebs deutlich an. Die Diagnose Krebs verändert die Lebensumstände sofort und nachhaltig. Plötzlich konzentriert sich das ganze Leben nur noch auf dieses Thema. Physisch angegriffen und psychisch oft instabil brauchen Patientinnen und Patienten eine völlig andere Betreuung als wir sie in unseren Salon anbieten.

Nebenbei gesagt müssen nicht nur wir Friseure neue Herangehensweisen an einen keineswegs homogenen Markt der Silver Society finden. Der Fokus von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft muss auf der Veränderung und Anpassung des Gesundheitssystems an die zukünftigen Herausforderungen liegen, anstatt das Problem bei den Menschen zu suchen.

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