Lebenslanges Lernen

Der technologische Wandel schreitet in ungeahnter Geschwindigkeit voran. Das stellt jeden einzelnen von uns vor große Herausforderungen. Wir sind es gewohnt, ein paar Jahre in die Schule zu gehen und dort eine Dosis Wissen eingeimpft zu bekommen. In der Ausbildung steht Lernen noch einmal im Zentrum, aber es kommt der Zeitpunkt, da hat man ausgelernt. Was für ein schreckliches Wort. Ausgelernt! Wir verwenden das Wort immer noch, obwohl erwiesen ist, dass der Mensch lebenslang lernt, ob er will oder nicht.  Lebenslang lernen? Können wir lernen in unseren Gehirnen auch positiv abspeichern? Bringt es uns weiter, wenn wir unseren ganz individuellen Lerntyp kennen?

Ich bin für ein Bildungssystem, das lebenslanges Lernen fördert. Unsere Gesellschaft braucht mehr kreatives Denken, und Individuen sollen sich Zeit gönnen können, um überZiele nachdenken und sie in Angriff nehmen zu können.

Als ich aus der Schule gekommen bin war ich ein überzeugter Nichtlerner. Keiner hat mir erklärt, warum ich lernen soll und wie ich lernen soll. Ich sah keinen Sinn darin, also habe ich das Lernen eingestellt, beziehungsweise so weit reduziert, dass es grade so gereicht hat. Geändert habe ich meine Einstellung erst nach meiner Schulzeit, als ich Prof. Dr. Frederic Vesters Buch Denken, Lernen, Vergessen in die Finger bekommen habe. Von da an ging’s bergauf mit meinem Lernwillen. Ich habe Gedanken erfahren, die mir Türen aufgestossen haben. Plötzlich war nichts mehr unmöglich, alles konnte ich lernen, wenn ich das selber wollte, und es so lernen konnte wie mir das passte. Vesters Erkenntnisse sind mehr als 45 Jahre alt, und die Gehirnforschung hat seither Quantensprünge gemacht, trotzdem sind seine Gedanken auch heute noch faszinierend.

Ein von mir sehr bewunderter Kritiker am bestehenden Schulsystem, Dr. Gerald Hüther, ist einer der führenden Vordenker für ein alternatives Schulsystem, in dem nicht nur Zeit totgeschlagen wird mit dem eintrichtern nutzlosen Lernstoffs, sondern Chancen für eine effektive Wissensvermittlung ergriffen werden. Hier sein Statement zur Umgestaltung von Schule.

Hüther stellt heraus, dass alle großen Umwälzungen von unten gekommen sind und das in Zukunft  auch weiterhin so sein wird. Wenn ich diese Aussage auf unseren Friseurberuf anwende, dann müssen wir noch viel, viel, viel mehr Druck ausüben, damit sich Verband und Politik endlich bewegen und uns die Möglichkeit geben, das Handwerk wieder auf die Sonnenseite zu führen.

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