Phase 5 von 7 - Die Innovationsstrategie - Peter Gress
Innovationsstrategie

Phase 5 von 7 – Die Innovationsstrategie

 

In der fünften Folge der Serie “Strategie für Friseurbetriebe”  spreche ich über die Innovationsstrategie. Das zugehörige pdf können Sie downloaden und als Anleitung zur weiteren strategischen Ausrichtung Ihres Betriebes verwenden.

In Phase eins haben Sie Ihren Betrieb analysiert und die Stärken heraus gearbeitet. In Phase zwei haben Sie den zwingenden Nutzen Ihrer Dienstleistungen festgestellt. In Phase drei sind Sie auf die Suche nach potentiellen Zielgruppen und/oder Teilzielgruppen gegangen. Die Engpassnalyse war der vierte Schritt. Wenn Sie bis hierher durchgehalten haben, dann steigen Sie heute in die Phase fünf, die Innovationsstrategie, ein. Die ersten vier Phasen hatten den Charakter einer Filterungsaktion, um Ihr Unternehmen zu durchleuchten  und Klarheit über die Neuausrichtung zu erhalten. Die Innovationsstrategie ist nun der Dreh- und Angelpunkt Ihres zukünftigen Erfolgs.

Um es vorwegzunehmen: Eine Innovation ist nicht zwangsläufig eine radikale Veränderung. Sie kann auch ganz einfach eine Leistungsverbesserung sein. Die Innovation muss nur dazu beitragen, den Nutzen für die Kunden zu erhöhen und helfen, den Engpass oder das Problem des Kunden zu beseitigen. Innovation ist mehr eine Schritt für Schritt Veränderung als ein brachialer Bruch.  Alle Verbesserungen, die Sie im Laufe der Evolution Ihrer Grundidee erreichen und umsetzen ist eine Innovation.  Oft sind es sehr kleine, unbedeutend erscheinende Änderungen und Verbesserungen die eine höhere Effizienz und Wirtschaftlichkeit bedeuten.

In der Phase fünf beschäftigen Sie sich erstmals mit Ihren Schwächen. Die waren bisher nicht wichtig, müssen nun aber ins Visier genommen werden. Sie wissen, wo Sie den größten Nutzen bieten können, wer Ihre erfolgversprechendste Zielgruppe ist und Sie haben eruiert, was die Zielgruppe wünscht und erwartet. Es kann gut sein, dass Sie vermeintliche Schwächen zu Beginn der Analyse nun im Innovationsprozess gar nicht mehr als solche empfinden. Andererseits kann es sein, dass Sie eklatante Schwächen in anderen Bereichen feststellen, die Sie in Phase eins noch für unwichtig gehalten hatten. Sie werden jetzt vermutlich eine große Anzahl von Verbesserungsideen und Innovationsansätzen erarbeiten. Ihre Hauptaufgabe ist es nun, ganz konkret auf die Problemlösungen hin innovieren und sich nicht in einem ziellosen Prozess zu verlieren. Richten Sie Ihre Gedanken nicht auf ein klar definiertes Ziel aus, sonst vergeuden Sie sinnlos Zeit und Motivation. Ihr Fokus liegt immer auf dem Zielgruppenproblem und dem Nutzen für die Kunden. Sie kommen immer wieder auf die zentrale Frage zurück: „Welchen Nutzen biete ich meinen Kunden, damit sie zu mir in den Salon kommen?“

Also:

Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Innovationsphase waren die ersten vier Schritte: Definition des größten Nutzens, Konkretisierung der Zielgruppe, das sammeln der größten Zielgruppenprobleme und Engpässe, sowie die Selektion des größten Engpasses. Es ist erwiesen, dass man innovativer und kreativer ist, wenn man nicht seinen eigenen Nutzen, sonder den Nutzen der Kunden im Fokus hat. Die Probleme anderer erkennt und löst man in der Regel schneller als die eigenen. Es kommt hinzu, dass die Zielgruppe sich wesentlich besser als Impulsgeber einbinden lässt, weil sie naturgemäß stärker daran interessiert ist, die eigenen Probleme gelöst zu bekommen, als den Nutzen des Unternehmens zu steigern. Der Nutzen für das Unternehmen kommt automatisch wenn der größte Engpass der Zielgruppe gelöst werden kann. Ich gebe dazu später noch ein Beispiel.

Und so läuft der Innovationsprozess ab:

Arbeiten Sie schriftlich! Schreiben Sie alle Gedanken auf, die Ihnen durch den Kopf gehen. Es ist unmöglich, alles im Kopf zu behalten. Komplexe Themen brauchen Schriftform. Sammeln Sie Ihre Ideen ohne Vorbehalt und Wertung. Grenzen Sie das Brainstorming zeitlich ein. Zehn bis fünfzehn Minuten genügen, denn die Ideen sollen spontan kommen. In den meisten Gesprächen  folgen auf neue Ideen die Aussagen „Geht nicht“, „Das ist zu teuer“, „Das haben wir noch nie gemacht“, „Das klappt doch eh nicht“. Junge Ideen sind wie junge Sportler, sie müssen behutsam aufgebaut und zur Reife geführt werden. Während des kreativen Prozesses sollten Sie die Bewertung von Ideen nicht gestatten. Bewertungen hemmen den Ideenfluss. weil sie normalerweise aufgrund der bestehenden Situation bewertet werden, und nicht auf der zu erwartenden. Das ist ein wichtiger Unterschied. Hüten Sie sich also vor den „Ja,. Aber…“ Sagern. Die sind kontraproduktiv, die reissen schon im Vorfeld ein, was noch gar nicht besteht. Das tun sie oft nicht einmal aus Boshaftigkeit heraus, sondern aus Bedenken gegen eine Veränderung. Nach dem Ideenfindungsprozess gruppieren und prüfen Sie Ihre Ideen und bewerten aufgrund der zukünftigen Zielgruppenansprache, ob sie für eine Umsetzung infrage kommt.  „Ja, aber…“ Sager sind oft Menschen die sehr gut reden und begründen können, warum etwas nicht geht. Sie gehören aber nicht automatisch zu den innovativsten Menschen, bloss weil sie gut reden und schön formulieren können.

Wenn Sie eine Idee gefunden haben laden Sie eine Auswahl von Kunden ein und veranstalten Sie ein Kundenparlament, bei dem Sie Ihre Idee vorstellen. Wenn Sie noch nicht exakt definieren  können, wer Ihre Zielgruppe sein könnte, laden Sie möglichst viele Kunden ein, von denen Sie denken, Sie könnten zur Zielgruppe gehören. Aus den Gesprächsergebnissen werden Sie dann die notwendigen Informationen heraus hören. Die Kunden geben Feedback, hören Sie deshalb genau hin. Die Diskussion sagt Ihnen viel darüber, wie Kunden Ihr Angebot sehen. Das Kundenparlament ist insofern nützlich, dass Sie die Fehler   früh sehen und nicht in die falsche Richtung laufen. Bitte geben Sie dem Prozess Zeit. Seien Sie nicht ungeduldig und hinterfragen Sie jede Information ausführlich. Wenn Sie die Veränderung angestossen haben denken Sie unterbewusst sowieso ständig an das Thema. Das führt automatisch dazu, dass der Moment kommt, in dem Sie völlige Klarheit erhalten, quasi über Nacht, unter der Dusche, im einem Gespräch, durch einen Eindruck von außen.

Dann ist es Zeit zu starten. Bleiben Sie im Bearbeitungsmodus. Bleiben Sie aufmerksam, hören Sie zu und beobachten Sie wie sich Ihre Spezialisierung entwickelt. Wenn es notwendig ist, gehen Sie einfach nochmal in den Innovationsprozess zurück. Dabei müssen Sie nicht alles über Bord werfen, manchmal fehlt nur eine Kleinigkeit die Sie erst durch weitere Gespräche mit Ihrer Zielgruppe entdeckt haben. Solange Sie aufmerksam und kritikfähig bleiben werden Sie erfolgreich sein.

Hier noch einmal eine Zusammenfassung der Leitsätze für einen gelungenen Innovationsprozess:

  • Etablieren Sie die Innovation in Ihren Gedanken. Peilen Sie eine ständige Leistungsverbesserung an. Akzeptieren Sie zu jeder Zeit, dass der Kundennutzen im Mittelpunkt steht.
  • Stillstand bedeutet Rückschritt.
  • Richten Sie Ihre Innovation am größten Engpass/Problem der Zielgruppe aus.
  • Binden Sie die Zielgruppe in den Innovationsprozess ein und nehmen Sie die Feedbacks ernst.
  • Sammeln Sie alle Ideen zum Problem, und gruppieren und analysieren sie gründlich.
  • Recherchieren Sie, ob es schon Lösungsansätze oder fertige Lösung für das Problem Ihrer Zielgruppe gibt. Wenn ja, übernehmen  Sie diese Lösung und entwickeln Sie für Ihre Zielgruppe weiter.
  • Verbannen Sie die „Ja, aber…“ Sager aus dem Ideenfindungsprozess. Ist das nicht möglich müssen die sich verpflichten, während des Brainstormings keine Bewertungen abzugeben.

Das Ziel der Innovation ist die Bündelung Ihrer Kräfte. Sie haben nur eine gewisse Stundenanzahl pro Tag, pro Woche, pro Monat und pro Jahr zum arbeiten, nachdenken, umsetzen und leben mit all seinen Begleiterscheinungen zur Verfügung. Diese vorhandene Zeit gilt es effektiv zu nutzen. Deshalb ist die Überlegung nicht zu weit hergeholt ob es nicht sinnvoll ist, Ihr Angebot zu verkleinern und sich zu spezialisieren. Je enger gefasst Ihr Angebot ist, desto intensiver und zielgerichteter können Sie Schulung, Marketing, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit planen.

 

 

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