Rohstoff Friseur-Azubi - Peter Gress
Azubi beim Haarschnitt

Rohstoff Friseur-Azubi

Wann habe ich mit Keller the school angefangen, unsere Azubis sechs Monate lang vor der Ausbildung zu qualifizieren? Das genaue Jahr weiß ich nicht mehr, aber es ist bestimmt 20 Jahre her. Das hat super funktioniert, aber ich hatte immer noch die Berufsschule am Rockzipfel die es mir nie leicht gemacht hat. Schon vor so vielen Jahren war der Input der Schule für uns Friseure und speziell für die Bedürfnisse meines Unternehmens sehr gering. Ich habe die Berufsschule immer als Dienstleister verstanden die etwas für uns Friseure leistet, das ist aber  leider nicht das Selbstverständnis der Schule.

Dann kam die Private Duale Ausbildung von Marcus Curth mithilfe Pivot Point. Die Chance, die Berufsschule zu umgehen war für mich eine Offenbarung und ich wähnte mich am Ziel. Dass letztlich die Curt’sche Insolvenz diese Möglichkeit zerstörte war für uns zuerst nur halb schlimm. Es gab ja noch die Wettstein-Akademie als Alternative. Aber der Schulwechsel mit all seinen Abstimmungsproblemen hat an der Effizienz genagt. Und dann kam noch die Ankündigung, dass die Wettstein-Akademie schließt. La Biosthetique hat die Chance ergriffen und den einzig richtigen Move gemacht, indem sie Geld in die Hand genommen und die Private Duale Ausbildung professionell aufgestellt haben. Ich drücke die Daumen, dass das hält, es ist ein Leuchtturm für die Friseurausbildung.

Die Übergangszeit von Curth zu Wettstein war schwierig, die angekündigte Schließung der Wettstein-Akademie hat uns vor große Probleme gestellt. Wir hatten keine andere Wahl als mit unseren neuen Azubis wieder in das staatlich duale System zu wechseln. Gress Friseure bildet seit 1960 ununterbrochen jedes Jahr aus, es gab noch nie eine Pause. Das sind 57 Jahre Erfahrungen, entweder selber gemacht als Azubi und seit meiner Selbstständigkeit als Ausbilder. Ich sehe wenn ein System produktiv ist, wenn es sichtbare Erfolge bringt. Deshalb tun mir unsere Azubis Leid, die sich in drei Jahren 166 Tage lang durch die Berufsschule plagen müssen. Diese verlorene Zeit, nahezu ein dreiviertel Arbeitsjahr, macht letztlich den starken Leistungsunterschied zwischen privat-dual und staatlich aus.

Dennoch, zwei Situationen spielen mir positiv in die Karten: 1. Azubis die schon zwölf Jahre Schule hinter sich haben, und 2. Quereinsteiger mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung müssen die Berufsschule nicht mehr besuchen. Als ausbildendes Unternehmen müssen wir nur dafür sorgen, dass die Azubis den prüfungsrelevanten Stoff salonintern lernen. Und hier kommt das Nöckl’sche Ausbildungssystem ins Spiel. Wir werden so in positiver Weise gezwungen umzudenken und eine vollkommen neue Wissensvermittlung für uns zu definieren. Ohne System geht Ausbildung nicht mehr, und, ich sage es mal mit einem Vergleich zu Edelmetall und seltenen Erden, je seltener der Rohstoff wird, desto wertvoller ist er. Und wertvolle Ressourcen, das lernen wir von Kindesbeinen an, sollen nicht verschwendet werden.

Das Szenario sieht wie folgt aus: In der Berufsschule wird kein allgemein verwendbares und vernünftiges friseurfachliches System geschult. Theoriefächer wie Religion, Deutsch und Englisch müssen meiner Meinung nach in der Berufsschule nicht mehr unterrichtet werden, denn was die Schüler in der Regelschule nicht gelernt haben lernen sie als Azubis in der Berufsschule auch nicht mehr. Aber wenn die Zeit schon abgesessen werden muss, dann wäre es sinnvoll, den Kids berufsrelevante Inhalte zu vermitteln. Es macht also de facto keinen Sinn, die Schüler zum Zeit totschlagen in die BS zu schicken. Dieser Zustand alleine ist schon schlimm, strategisch gesehen machen viele Salons, oft aus Mangel an finanzierbaren Alternativen, aber noch einen Riesenfehler, weil sie die Qualifikation ihrer Auszubildenden dem Zufall überlassen.

Fazit: Ohne internes Ausbildungssystem geht es nicht.

Was Wann Wo Wie

Was Wann Wo Wie

Das Lastenheft für ausbildende Friseurunternehmen  sieht heute so aus:

  • Der Image des Salons muss positiv besetzt sein
  • Die Ausbildungsinhalte müssen klar kommuniziert werden
  • Der Betrieb muss in sozialen Medien präsent sein und eine eigene Webseite haben
  • Die Karrierechancen im Betrieb müssen vorhanden sein und offensiv kommuniziert werden
  • Die Zielgruppe der Auszubildenden muss klar definiert sein
  • Azubis müssen aktiv akquiriert werden
  • Die interne Ausbildung muss konsequent und systematisch erfolgen

Die Ausbildung sollte die Lernenden im Idealfall  im ersten Jahr mit maximalem Input versorgen, denn da ist Wissen und Übung am wichtigsten. Durch interne Prüfungen muss sicher gestellt werden, dass die Azubis die erforderliche Leistung am Kunden schnell und qualitativ hochwertig erbringen können. Im zweiten Jahr erfolgt die Festigung und Erfahrungen sammeln als Assistent. Im dritten Ausbildungsjahr bedienen die Azubis eigene Schnittkunden, um ihren Lohn bei einer Übernahme nach der Ausbildung zu finanzieren.

Azubis sind wertvoller Rohstoff, wir sollten alles dafür tun, um den Ausbildungserfolg  zu gewährleisten.

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2 comments
Stephan Kohlhaas says 11. Oktober 2017

Wir Ihr sagt 3 Stufen sind am wichtigsten! 1.Ausbilden,2.Festigen, 3. Mitarbeit und Erfahrungsaustausch!
Damit haben Auszubildende und anfängliche Gesellen einen guten Grundstock um Ihren Beruf weiterzuentwickeln.
Die Grundlagen dafür sind schon in dem Berufsbild welches uns die Handwerkskammer bereitstellt, vorgegeben.
Die 1. Frage ist
eigentlich nur, was machen wir als Friseurunternehmer zusätzlich daraus?
Die 2. Frage, Novellierung der Ausbildungsstunden in der BERUFSschule!
Das z.aB.Religion dabei keine Rolle spielen darf ist wohl selbstverständlich aber Sport wäre ein adäquates Mittel gegen die von der BGW eingeführten Kontrolle der Mitarbeiter für sicherheitstechnische und gesundheitstechnische Unterrichtung!
Für mich eine Zeit und Geldschneiderei , da es für einen motivierten Saloninhaber keine bessere Motivation gibt als gesunde Mitarbeiter!
Hätte noch vieles mehr zu schreiben, aber die Gedanken jedes Einzelnen sind frei!

Reply
    petergress says 13. Oktober 2017

    Der Ausbildungsrahmenplan umfasst alles was wir als Friseure brauchen, da hast Du Recht. Was wir daraus machen ist leider nicht genug. Viele der Kenntnisse, wie bspw. Haarfarbe, startet im ABRP erst im dritten Jahr. Das ist viel zu spät. Aber das macht uns nichts aus, weil wir den ABRP umgeschrieben haben, um Können und Wissen dann zu haben wenn wir es brauchen. Am Ende der Ausbildung sind die Azubis mit allen Tätigkeiten durch und können geprüft werden. Den Rahmen nutzen wir, aber den Inhalt verändern wir. Zur BS: Bevor da was geändert wird werden Männer schwanger. Wenn immer sich die Möglichkeit bietet bleibt die BS bei mir außen vor.

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