Willkommen Zukunft beim Friseur

Ein Ausblick in die kommenden Jahre für Friseure

Bei der Erarbeitung eines Rahmens für eine optimierte Software mit Online-Anmeldung und digitalem Terminbuch habe ich einen Blick in die Zukunft gewagt. Und was mir einfiel ist nicht nur denk-, sondern großteils auch schon machbar oder es wird schon angeboten. Es ist kein Ausblick für Rückwärtsblicker, Vergangenheitskuschler, professionelle Bedenkenträger, Neinsager und Mauerkämpfer.

Ein digitaler Kalender ist nicht mehr nur eine Terminvergabe und Terminverwaltung. Es ist das wichtigste Management-Tool in einem Friseursalon. Onlineanmeldung ist Standard, automatisierte Rückruffunktion per Spracherkennung ebenfalls. Der Kunde gibt seine Wünsche ein, das System prüft in welchem Zeitraum der Termin gewünscht wird, sucht nach dem passenden Termin und bucht ihn ein. Wenn innerhalb des gewünschte Zeitraumes kein passender Termin buchbar ist, meldet das System einen Rückruf beim Kunden innerhalb 24 Stunden an, prüft während dieser Zeit die mögliche Terminvergabe, ruft den Kunden selbstständig zurück und bestätigt dann den Termin oder schlägt eine neue Terminkombination vor. Der Kunde kann auch umfangreiche Dienstleistungspakete buchen, die von der Software automatisch und passgenau eingebucht werden. Eine kostenlose Personal Message über die Salon-App wird automatisch 24 Stunden vor dem Termin zur Bestätigung versandt. Kann der Kunde aus dringenden Gründen den Termin nicht wahrnehmen kann er dies per Sprachbefehl mitteilen, der Termin wird daraufhin zur Weitergabe frei gesetzt, ein neuer Termin wird angeboten. Kurzfristige Termine werden über eine angeschlossene Terminbörse auktioniert, die Buchungslücken verhindert und für eine bessere Auslastung der angeschlossenen Salons sorgt.

Will der Kunde bei seinem Salonbesuch etwas essen oder ein Smoothie haben, kann er das vorbestellen. Möglich ist das durch die Verknüpfung der Software mit Starbucks, ortsansässigen Food-Lieferanten und Smoothie-Bars, die das Gewünschte durch Serviceroboter punktgenau in den Salon liefern lassen. Abgerechnet wird durch den Salon, der Kooperationspartner bekommt sein Geld automatisch einmal in der Woche angewiesen, die Belege werden verbucht und der Buchhaltung zur Verfügung gestellt. Die BWA wird automatisch passend zum Dienstleistungsangebots des Salons erstellt und die Beträge automatisch verbucht. Die Bilanzbesprechung am Ende des Jahres führt ein Robo-Adviser online durch, der Gang zum Steuerberater ist nicht mehr notwendig.

Im Salon läuft die Salon-Software und eine Beratungs-Software auf jedem Spiegel. Per Sprachbefehl erscheint das gewünschte Modul auf dem Spiegel, die Beratung wird aufzeichnet und die wichtigsten Punkte automatisch ausgefiltert und zusammenfasst. Ein Preisangebot wird automatisch erstellt, es erscheint auf dem Spiegel, der Kunde bestätigt die Bestellung, worauf die Dienstleistungen in der Kasse automatisch vorgemerkt werden. Der nächste passende Termin für einen Haarschnitt wird automatisch vorgeschlagen und angezeigt. Der Stylist gibt an, welche Folgedienstleistungen beim nächsten Besuch notwendig sind. Bucht die Kundin sofort erhält sie einen Treuebon, bucht sie später kann durch die hinterlegten Daten der genaue Zeitbedarf für die Behandlung eingebucht werden.

Augemnted Reality wird eine große Rolle bei der Beratung spielen. Die Software ist Teil des Salonsystems, sie wird ebenfalls über den Spiegel aufgerufen. Sprachbefehle rufen Frisuren auf, die virtuell in Lebensgröße auf den Kopf der Kundin projiziert werden. Man kann die Länge, die Farbe und die Struktur per Sprachbefehl verändern, das endgültige Bild wird im System auf der Kundenkarte gespeichert. Die Software bietet über Tablets Frisurenbücher an in denen sich Kunden ihre Frisuren, Farbe und Stylings marken können. Diese Informationen laufen auf dem System auf und bieten die Grundlage für die weiterführenden Beratungen. Videos erklären kurz, welche Besonderheiten sich für die jeweilige Wahl ergeben und welche Kosten auf die Kundin zukommen.

Das System leitet die Haarfarbenmischanlage an, welche Mischung für die Kundin gebraucht wird. Milligrammgenau wird abgewogen und die Mischung automatisch in der Kundenkartei gespeichert. Der Algorithmus lernt aus diesen Informationen selber, welche Möglichkeiten sich aus der vorhandenen Mischungen ergeben können und schlägt sie dem beratenden Stylisten vor. So ergeben sich mehr Möglichkeiten zu einer umfangreicheren Kundenberatung.

Das Warenwirtschaftssystem bestellt den Nachschub selbstständig. Jede Bestellung wird sofort zur Verbuchung weiterleitet. Telefonisch vom Kunden bestellte Haarpflegeprodukte werden am selben Tag noch vom Serviceroboter nach Hause geliefert, die Rechnung automatisch erstellt und der Betrag vom Konto des Kunden abgebucht. Alle Zahlungen am POS laufen über das Mobiltelefon, per NFC oder als Sofortüberweisung. Lange Verbuchungszeiten auf dem Konto der Onlinebank gehören der Vergangenheit an, Umsätze werden dem Konto in Echtzeit gutgeschrieben.

Die Software meldet Buchungsspitzen einige Tage vorher. Der Salon kann vorosorglich auf der Arbeitszeit-Angebotsplattform freie Friseurdienstleister suchen die dem Stammteam für Stunden oder Tage aushelfen. Der Lohn wird, wie bei clickworker üblich, eingestellt, vom Auftragnehmer bestätigt und nach Beendigung des Einsatzes automatisch auf das Konto überwiesen. Lohnnebenkosten, Sozialversicherung, vermögenswirksame Leistung, Versicherungsanteil werden einbehalten und den Leistungserbringern zugewiesen.

Der Salon ist Arbeitsumfeld für hoch qualifizierte und spezialisierte Dienstleister. Das Unternehmen sorgt für ständige Weiterbildung, bezahlt eine Umlage in einen Ausbildungsfond, der wiederum kümmert sich um die Suche und die Ausbildung der Nachwuchskräfte. Die Mitarbeiter erhalten einen Grundlohn, profitieren von Dienstleistungs- und Verkaufsumsätzen, erhalten eine Jahresüberschussbeteiligung und profitieren von einem professionellen Vermögensaufbaus durch Robo-Adviser einer Online-Bank die auf Mikroinvestitionen spezialisiert ist. Die Aufgaben der Inhaber und Führungskräfte ist vornehmlich die Organisation und die Verteilung der Arbeit auf die Spezialisten.

Innerhalb einer Region von 50 Kilometern gibt es keine feste Ausbildingsstellen, die Nachwuchskräfte werden dorthin vermittelt wo Bedarf besteht. Eine intelligente Verteilung ist Voraussetzung für den maximalen Input während der Ausbildungszeit. Berufsschulen gibt es nicht mehr, alle theoretischen Inhalte werden durch Online-Angebote vermittelt. Die fachliche Vermittlung geschieht ausschließlich durch Trainer in Trainingszentren die einer ständigen Weiterbildung unterliegen. Finanziert werden die Trainingszentren durch die Ausbildungsumlage von allen Friseurbetrieben. Diese Umlage ist verpflichtend, kein Betrieb kann sich davon ausnehmen. Generalisten-Trainer sind nicht mehr erwünscht, jeder Fachlehrer hat seine Spezialisierung, auf der er hohe qualitative Leistungen erbringt. Die Trainer messen sich regelmäßig bei Wettbewerben die im Internet live übertragen werden. Eine Online-Jury kürt die Preisträger, die Teilnahme an diesen Wettbewerben ist für alle Trainer Pflicht.

Einen Verband gibt es nicht mehr. Das duale System ist nicht mehr berufsschulgebunden, sondern wird von den Friseurbetrieben selber erledigt. Die Ausbildungsdauer beträgt generell 36 Monate, es kann nicht verkürzt werden. Die Ausbildungsinhalte werden jährlich von einer unabhängigen Kommission von Friseurunternehmern aus alle Betriebsgrößen geprüft. Ist ein Trainingsthema obsolet wird es entfernt. Ineffektivitäten im Ausbildungsrahmenplan werden so schnell erkannt und den realen Bedingungen angepasst. Die Finanzierung der Ausbildungszentren übernehmen die Betriebe durch die Umleitung der Innungsbeiträge. Die Handwerkskammer ist die politische Vertretung des Gewerks.

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2 comments
Guido Scheffler says 20. Dezember 2016

Ein Top-Beitrag, lieber Peter! Liebe Grüße, tolle Weihnachten und einen guten Rutsch in die nähere Zukunft! 🙂

Guido Scheffler

P.S.: Zum Glück hast du die Billig-Friseure aus Korea nicht erwähnt, die über das Internet ferngesteuert in umgebauten Telefonzellen den deutschen Kunden die Haar schneiden 😉

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    petergress says 21. Dezember 2016

    Rübe rein, Haare ab. Jett weiß ich endlich was mit den roten Telefonzellen aus England passiert

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